Wer gilt als arm in Deutschland?

Als Sozialkaufhaus sind unsere wichtigsten Kunden die Sozial-Bedürftigen. Das Arche Zentrum möchte gerade denen helfen, die sonst nicht in der Lage sind, am gesellschaftlichen Geschehen so teilzunehmen, wie jede/r Berufstätige auch. Die Frage ist, wer denn eigentlich bedürftig ist:
In ihrem zweiten Armutsbericht von 2004 definiert die Bundesregierung einen Menschen als arm, wenn sein Einkommen unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt. Das Statistische Bundesamt geht in seinem "Datenreport 2006" ebenfalls von dieser Grenze aus. Wie hat sich die Armut in Deutschland nach diesen Kriterien entwickelt?Armutsquote_D

Besonders stark betroffen sind Familien. Hier liegt die Armutsquote bei 26 Prozent. Bei den Senioren hingegen liegt dieser Wert laut SOEP-Datensatz nur bei zwölf Prozent. Der Bericht führt zudem eine nach EU-Standard berechnete Armutsquote auf. Diese liegt bei 13 Prozent. Unabhängig von der Berechnungsweise sei ein Anstieg des Armutsrisikos zu verzeichnen, heißt es.
Als reich gelte, wer als Alleinlebender im Monat netto mehr als 3418 Euro zur Verfügung habe oder als Familie mit zwei Kindern mehr als 7178 Euro netto im Monat.
Nach allgemeinem Verständnis gilt als arm, wer sich nicht aus eigener Kraft hinreichend und angemessen mit Kleidung, Lebensmitteln, Wohnraum und anderen lebensnotwendigen Dingen versorgen kann.
In den Entwicklungs- und Schwellenländern gilt eine UN-Definition der absoluten Armut. Sie betrifft Menschen, die täglich weniger als einen Dollar in lokaler Kaufkraft zur Verfügung haben.
In den Industrieländern gilt die höher angesiedelte Definition der «relativen Armut». Die EU hat die relative Armut 1984 wie folgt beschriebenen:
«Als verarmt sind jene Einzelpersonen, Familien und Personengruppen anzusehen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar sind.»
In Deutschland wird das durchschnittliche monatliche Netto-Einkommen als wichtigster Indikator zugrunde gelegt. Das waren im Jahr 2002 in den alten Bundesländern 1217 Euro, in den neuen 1008 Euro. Wer weniger als 60 Prozent - also nur etwa 730 beziehungsweise 605 Euro - zur Verfügung hat, gilt als arm.
Armut hat viele Gesichter. Besonders betroffen sind Kinder, allein Erziehende, Arbeitslose, ältere Menschen, Behinderte und soziale Randgruppen. Kaum zu beziffern ist das Ausmaß der «verdeckten Armut» von Menschen, die meist aus Scham keine öffentliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Als Zweckbetrieb des Arche Zentrums stehen wir unter der Beobachtung des Finanzamtes. Um als Zweckbetrieb anerkannt zu sein, müssen wir 2/3 der erbrachten Leistungen mit Bedürftigen unserer Gesellschaft erbringen und darüber einen zweifellosen Nachweis zu erbringen. Das bedeutet in der Praxis, dass wir als bedürftig akzeptieren, der öffentliche Sozialleistungen in Form von Arbeitslosengeld 2 (Arbeitsamt, ARGE) oder Sozialgeld (Sozialamt) in Anspruch nimmt.
Problematisch ist die Beurteilung von Minirenten. Hier steht das Finanzamt auf dem Standpunkt, dass nicht sichergestellt sein kann, dass im Haushalt noch weitere Einkünfte bestehen. Daher können wir Minirentner/innen nur als bedürftig ansehen, wenn Sie zusätzliches Sozialgeld erhalten.
Um die Bedürftigkeit gegenüber dem Finanzamt zu rechtfertigen, kopieren wir Ihren letzten Bescheid, aus dem die Dauer der Bedürftigkeit zu ersehen ist, um sie ggf. auf Verlangen zur Kontrolle dem Finanzamt vorzulegen.